NRW-Staatssekretärin Güler geht es um Europa als Friedensregion und um Integration

Serap Güler stark beeindruckt von der Arbeit der "Integrationslotsen im Landkreis Cloppenburg e. V."

Unsere Aufnahme zeigt die Staatssekretärin Serap Güler und Mina Amiry, die Vorsitzende des Vereins der Unsere Aufnahme zeigt die Staatssekretärin Serap Güler und Mina Amiry, die Vorsitzende des Vereins der "Integrationslotsen im Landkreis Cloppenburg", inmitten des Teams und der Gäste im Haus der Integrationslotsen am Hook in Cloppenburg
Ganz sicher nicht alltäglich war jetzt der Besuch der Staatssekretärin für Integration, Serap Güler (CDU), aus dem Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration in Nordrhein-Westfalen, in Cloppenburg. Sie ist dort die zuständige Staatssekretärin für Integration und nutzte ihren Besuch in Cloppenburg, um sich über die Arbeit des Vereins "Integrationslotsen im Landkreis Cloppenburg e. V." zu informieren. Neben diesem fachlichen Grund für ihren Besuch in Cloppenburg treibt die 1980 in Marl geborene Güler aber auch die Sorge um die Zukunft Europas und der EU um, denn vielen jungen Leuten sei heute gar nicht klar, was Europa seit mehr als siebzig Jahren geleistet habe, denn eine so lange und weitreichende Zeit des Friedens sei in Europa überhaupt nicht selbstverständlich gewesen

Cloppenburg - Vielfach werde, trotz aller Unzulänglichkeiten in der EU, von Seiten der nationalen Politiker alles Positive in Europa für sich in Anspruch genommen und alle von der Bevölkerung negativ gesehenen Entwicklungen habe man der EU und ihren Vorgängerinnen zugeschrieben. Aktuell werde zur anstehenden Europawahl von populistischen Politikern in vielen Ländern intensiv versucht, dieser Eindruck noch zu verstärken. Dem müssten alle in der Gesellschaft und Politik verantwortlichen Kräfte und vor allem die Bürgerinnen und Bürger entgegentreten und Europa durch eine starke Teilnahme an der Wahl zu stärken; auch seitens der jüngeren Generation. Für deren Zukunft sei ein starkes und weitgehend einiges Europa unverzichtbar.
Gerade die bevorstehende Wahl zum Europäischen Parlament in der aktuell schwierigen politischen Situation in vielen Mitgliedstaaten zeige, wie wichtig es sei, dass die Menschen in Europa dieses Europa stärker machten, damit es weiterhin und möglichst noch erfolgreicher in der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung in der Welt überhaupt eine wirksame Rolle spielen könne. Kein einziges Land allein in Europa sei in der Lage, sich in der Welt entsprechend wirksam zu vertreten. Für Europa komme es jetzt darauf an, dafür zu sorgen, dass durch den Brexit und nationalistische Entwicklungen in vielen Ländern Europa nicht weiter geschwächt werde.
Die Sorge um die weitere Entwicklung der EU und Europas hatte der stellvertretende Cloppenburger Bürgermeister Hermann Schröer in seiner Begrüßung angesprochen.
 
Die Staatssekretärin war von Mina Amiry und ihrem Team aus haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern begrüßt und in einer umfassenden Präsentation über die Anfänge und die Entwicklung der Integrationsarbeit im Kreis Cloppenburg informiert worden. Die meisten der hier Aktiven, genau wie sie selbst auch, hätten Fluchterfahrungen und kämen aus verschiedenen Völkern und Sprachkreisen, so dass eine optimale Grundlage gegeben sei, um allen Anforderungen bestmöglich gerecht werden zu können. Sehr beeindruckend, auch für die Staatssekretärin, zeigte die Dokumentation, wie umfangreich, vielfältig und intensiv vernetzt die Arbeit der Integrationslotsen im Kreis Cloppenburg ist.
Die Integrationslotsen seien seit 2005 im Kreis aktiv. Die Integrationsarbeit gehe sogar zurück bis ins Jahr 1994.
Nach dem Höhepunkt des Zuzugs der Flüchtlinge in den Jahren 2014, 2015 und 2016 seien einige Aufgaben bis heute geblieben, wie die Sprachkurse, die Hilfe und Unterstützung bei Behördengängen und dann auch zunehmend bei der beruflichen Integration. Die umfangreiche Netzwerkarbeit umfasse aber auch kulturelle Projekte für das gegenseitige Kennenlernen der hiesigen Bevölkerung und der Flüchtlinge. Anhand des aktuellen Stichworts der "neuen Seidenstraße" machte Amiry darauf aufmerksam, dass es Wanderungen von Menschen immer schon gegeben habe. Diese seien keine aktuelle Erfindung von heute.
Man betreue die Menschen, die gekommen seien, damit sie sich hier eingewöhnen und eine Heimat finden könnten und versuche, den Landkreis und das Oldenburger Münsterland als neue Heimat den Menschen zu vermitteln. Man habe den Eindruck, dass Integration im hiesigen ländlichen Bereich mit seinen Gemeinden und Dörfern vielfach die Arbeit erleichtere, zumal die Menschen nicht so anonym lebten und im Dorf dicht beieinander seien.
Man helfe aber auch denjenigen Menschen, die hier erkannt hätten, dass sie nicht angekommen seien und vielleicht zurück wollten oder nach anderen Lösungen suchten, bei der freiwilligen Rückkehr und Ausreise.
 
"Ich finde Sie und ihre Arbeit gut". Mit diesen Worten bedankte sich Staatssekretärin Güler für die umfangreiche Präsentation und die vielfältigen Projekte und Aktivitäten im Kreis.  Für Sie sei es wichtig, sich persönlich auch in anderen Regionen Deutschlands umzuschauen und zu informieren, um zu sehen, wo was gut funktioniere und "wo man sich auch etwas abschauen kann", betonte sie. Die Integrationslotsen in Cloppenburg machten ein sehr überzeugende Arbeit und leisteten durch ihre vielfältigen Angebote und Aktivitäten sicher eine wesentliche Grundlage zum Gelingen der Integration, die übrigens mit der Abnahme der Zuwandererzahlen nicht beendet sei, sondern erst richtig beginne. Zunächst sei es um die Unterbringung und Versorgung der Flüchtlinge gegangen. Nun gehe es, und das werde auch eine lange Zeit in Anspruch nehmen, um die Integration derjenigen, die hier auf Dauer oder für längere Zeit bleiben würden und auch um die Hilfen für diejenigen, die das Land wieder verlassen wollten oder müssten. Die Präsentation der Integrationslotsen habe gezeigt, dass sehr intensiv und parallel an allen diesen Aufgaben gearbeitet werde.
Landtagsabgeordneter und Kreistagsmitglied Christoph Eilers (CDU) stellte fest, dass der Landkreis Cloppenburg eine gute Grundlage für eine erfolgreiche Integration habe, aber auch, dass es sich um eine länger- bis langfristige Daueraufgabe handele. Erfolge seien oft kurzfristig nicht schnell messbar und würden nur nach und nach sichtbar.
Unter Verweis auf frühere Zuwanderungen zeigte sich auch der Landtagsabgeordnete Karl-Heinz Bley (CDU) fest davon überzeugt, dass man auch diese Aufgabe meistern werde.
Dazu leiste, vor allem in den beruflichen Bereichen, das Handwerk und der Mittelstand eine wichtige Unterstützung durch die Ausbildung zu Facharbeitern und die Übernahme in den Betrieben.
Landrat Johann Wimberg, der mit für das Zustandekommen des Besuchs gesorgt hatte, bedankte sich bei der Staatssekretärin für den Besuch und äußerte den Wunsch nach weiterem Austausch bei dieser Dauer- und Zukunftsaufgabe. Zur Erinnerung und als Information überreichte er ein Buch über das Oldenburger Münsterland.

Nach oben