Politiker und Landwirt treffen aufeinander
 
Jeder kennt sie, die Initiative Tierwohl. Wie sieht ein Schweinestall der Initiative Tierwohl aus? Lohnt sich die Initiative Tierwohl? Was hat der Landwirt für Vorteile durch die Initiative Tierwohl? Diese und weitere Fragen stellte sich auch Celine Ahrens und interviewte Christoph Eilers, Abgeordneter im Niedersächsischen Landtag und Landwirt Stephan Ahrens.
Es ist erfolgreich und deutschlandweit bekannt. Über 3 Jahre gibt es jetzt schon die Initiative Tierwohl Schwein, die für das Wohlsein der Tiere sorgt. Christoph Eilers, Landtagsabgeordneter unseren Wahlkreises, beschäftigt sich im Moment mit dem aktuellen Thema Tierwohl im Landtag und möchte sich im Zusammenhang mit dem Interview direkt im Stall einen Eindruck über Tierwohl verschaffen. Aufgrund dessen habe ich ein Gespräch mit ihm und einem Landwirt geführt und konnte viele neue Informationen sammeln.
Celine Ahrens: Was ist überhaupt die "Initiative Tierwohl Schwein" und welche Partner sind an der Wertschöpfungskette Tierwohl beteiligt?
Christoph Eilers: Herr Lindemann hat die Initiative Tierwohl in die Wege geleitet und das Agrar und Ernährungsforum (AEF) hat sich mit Aldi, Lidl und weiteren Supermärkten zusammengetan und überlegt das Wohl der Tiere zu verbessern. Bei Lidl gibt es ab April 2018 ein neues Punktesystem, das besagt woher das Fleisch kommt, zum Beispiel ob es aus normaler Stallhaltung stammt oder ob es Tierwohl-Fleisch ist. Die Bevölkerung ist bereit mehr Geld für dieses Fleisch zu bezahlen. Der Verbraucher fordert und der Landwirt muss das Ganze umsetzen.
Stephan Ahrens: In der Initiative Tierwohl Schwein haben sich Unternehmen und Verbände aus Landwirtschaft, Fleischwirtschaft und Lebensmitteleinzelhandel gemeinsam die Förderung einer tiergerechten und nachhaltigeren Fleischerzeugung zum Ziel gesetzt. Der Landwirt erhält für den Mehraufwand pauschal einen finanziellen Ausgleich, welcher vom Marktpreis unabhängig ist.
Celine Ahrens: Wollen Sie sich in Zukunft auch mit dem Thema Tierwohl im Landtag beschäftigen?
Christoph Eilers: Ja ich beschäftige mich schon mit dem Thema. Ich bin im Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft-und Verbraucherschutz. Meine Aufgabenbereiche sind die Lebensmittelindustrie und die Initiative Tierwohl/ der Tierschutz.
Celine Ahrens: Was ist der Unterschied zwischen einem normalen Schweinestall und dem der Initiative Tierwohl? Was passiert damit die Schweine sich wohl fühlen?
Christoph Eilers: Grundsätzlich bekommen die Schweine mehr Tageslicht, mehr Stallfläche sowie Spielzeug. Darüber hinaus können weitere Maßnahmen wie z. B. besondere Tränke eingebaut werden. Je nach Grad erhält der Landwirt einen höheren Preis. Bei der Mindestmaßnahme sind das etwa 3,30€ pro Schwein.
Stephan Ahrens: Zunächst einmal muss ein Betrieb der an der Initiative Tierwohl teilnehmen möchte, schon im QS-System (Qualitätssicherungssystem) lieferberechtigt sein. Im QS-System sind bereits viele Anforderungen der Initiative Tierwohl enthalten. Die Anforderungen in einem normalen Schweinestall sind aufgrund des QS-Systems ohnehin schon hoch. Zusätzlich müssen hier aber weitere Kriterien erfüllt werden. Die Basiskriterien sind: Hygiene, Tiergesundheit, entsprechend dem QS-Prüfsystems. Zusätzlich muss im Antibiotikamonitoring und im indexierten Schlachtbefundprogramm teilgenommen werden. Es wird ein Stallklima-und Tränkewassercheck durchgeführt. Ebenfalls muss Tageslicht im Schweinestall vorhanden sein. Weiter müssen zusätzliche organische Beschäftigungsmaterialien montiert werden und es muss 10 Prozent mehr Platzbedarf vorhanden sein. Zu den Grundanforderungen können weitere Wahlanforderungen ausgeführt werden.
Celine Ahrens: Wie viel Aufwand kostet dem Landwirt die Umsetzung der Initiative Tierwohl?
Stephan Ahrens: Ich habe einen erhöhten Zeitaufwand für die Tierbetreuung und der anschließenden Dokumentationen im Büro. Die Umsetzung der Maßnahme war bei älteren Ställen aufwändiger, als bei neueren Ställen, da zum Beispiel Fensteröffnungen nachträglich ins Mauerwerk eingeschnitten werden mussten. Die Kosten kann man nicht verallgemeinern, liegen aber sicher pro tausend Schweine bei 5-10 tsd. Euro.
Celine Ahrens: Stehen die Bürger zu dem Tierwohl-Fleisch und interessieren sie sich überhaupt dafür?
Christoph Eilers: Die Leute fordern einen höheren Tierschutz, greifen aber letztendlich an der Ladentheke zum günstigen Angebot.
Celine Ahrens: Ist das Tierwohl-Fleisch im Supermarkt teurer als das normale Fleisch?
Christoph Eilers: Es wird über eine Kennzeichnung des Fleisches nachgedacht, damit der Kunde einen Unterschied erkennt. Zur Zeit handelt es sich um einen freiwilligen Fond des Lebensmitteleinzelhandels. Aus diesem Topf erhält der Landwirt das Geld.
Celine Ahrens: Wird das Tierwohl-Fleisch normal im Supermarkt verkauft oder gibt es zum Beispiel eine extra Abteilung dafür?
Christoph Eilers: Das Tierwohlfleisch wird über den Einzelhandel vertrieben. Die Firma Lidl denkt über eine eigene Kennzeichnung des Fleisches nach.
Celine Ahrens: Gibt es einen Geschmacksunterschied zwischen dem herkömmlichen Fleisch oder dem der Initiative Tierwohl?
Christoph Eilers: Nein, mir ist kein Geschmacksunterschied bekannt.
Celine Ahrens: Wird die Initiative auch schon in anderen Ländern umgesetzt?
Christoph Eilers: Ja die Initiative Tierwohl wird in Deutschland und den Niederlanden umgesetzt. Am Anfang war jedoch zuerst der Plan die Initiative EU weit zu verbreiten.
Celine Ahrens: Welche Vorteile sehen sie in der Initiative Tierwohl?
Christoph Eilers: Ich finde eine Initiative immer gut, weil es wird etwas gemacht und umgesetzt wovon niemand abgeneigt ist. Eine Initiative führt zu Diskussionen die zu einer Verbesserung in der Tierhaltung führen können. Entscheidend ist, dass der Kunde durch seinen Kauf diese Aktion unterstützt. Nur durch ein verändertes Kaufverhalten können Verbesserungen umgesetzt werden. Der Landwirt muss für seinen Einsatz auch einen entsprechenden Lohn erhalten.
Celine Ahrens: Was hat der Landwirt für Vorteile durch die Initiative Tierwohl?
Stephan Ahrens: Ich denke, dass der Verbraucher durch diese Initiative eine größere Akzeptanz gegenüber der Tierhaltung bekommt und somit mit gutem Gewissen in die Fleischtheke greifen kann. Wenn alle Landwirte an der Initiative Tierwohl teilnehmen würden, gäbe es zudem weniger Mastschweine auf dem Markt und die Preise müssten dauerhaft stabiler werden. Zudem erhoffe ich mir weniger Stress für das Schwein und dadurch eine noch bessere Fleischqualität. Ein weiterer Vorteil für meinen Betrieb ist der geringere Ackerflächenbedarf aufgrund der geringeren Tierzahlen. Weniger kann ab und zu auch mal mehr sein.
Celine Ahrens: Ich sehe eine Chance darin, dass Landwirte so noch eine bessere Fleischqualität unter tierschutzverbesserten Bedingungen produzieren werden.
In der Initiative von 2015 war es so, das Betriebe zunächst die Tierschutzmaßnahmen umsetzten mussten und dann bei Beantragung für den Landwirt noch nicht klar war, ob er an der Initiative teilnehmen kann. Somit haben 2015 viele Landwirte ihre Ställe für viel Geld umgebaut und konnten letztendlich nicht an der Initiative teilnehmen und gingen am Ende leer aus, da das bereitgestellte Geld des Einzelhandels nicht ausreichte.
In der neuen Initiative 2018 scheinen diese Missstände nicht nochmal aufgetreten zu sein. Ich finde gut, dass man aus diesen Fehlern gelernt hat und so alle Landwirte, die an der Initiative teilnehmen möchten auch die gleichen Wettbewerbschancen haben.


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